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Das Ergebnis muss nicht "schön" sein, aber "informativ"

Egon Blumenau, technischer Leiter der Restaurierungswerkstätten im Gespräch

Die Bedeutung des Begriffs Restaurierung hat sich gewandelt. Was bedeutet das in der Praxis?

Egon Blumenau: Wir sind davon abgekommen, Restaurierung mit "schön machen" gleichzusetzen. Uns geht es um das Herausarbeiten der im Objekt enthaltenen Informationen über Herstellungstechniken, Materialien und den Gebrauch des Gegenstandes. Wie ist er in die Erde gelangt, wie hat er sich in der Erde durch äußere Einflüsse verändert? Bei uns beginnt eine Restaurierung in der Regel mit einer Besprechung mehrerer Kollegen. Kulturwissenschaftler, Archäologe und Restaurator diskutieren über das Ziel der Restaurierung. Wenn das Fundstück nicht zur Präsentation in der Vitrine vorgesehen ist, gibt es keine Notwendigkeit, das Objekt bis auf die ursprüngliche Oberfläche freizulegen. Es genügt oft, den Gegenstand radiographisch sichtbar zu machen und Analysen durchzuführen. Mit diesen Ergebnissen können zukünftige Generationen, denen noch ausgefeiltere Methoden zur Verfügung stehen, die Objektinformation weiter vertiefen.

Welche Informationen erhalten Sie, wenn ein Gegenstand nicht bis zur ursprünglichen Oberfläche freilegt wird?

E.B.:Wir gewinnen wertvolle Informationen, wenn wir beispielsweise auf einem Eisenschwert die Reste aus Leder, Textilien und anderen organischen Materialien belassen. Die organischen Reste, die den antiken Objekten anhaften, geben uns vielfältige Anhaltspunkte über das Leben der damaligen Zeit, die Kleidung, Trachtgewohnheiten oder auch über die damaligen Nutzpflanzen und Nutztiere.

Es ist ja bemerkenswert, dass Archäologie, die Wissenschaft von den geschichtlichen Ursprüngen, mit neuester technologischer Entwicklung verknüpft wird. Können Sie ein paar moderne Analyseverfahren nennen?

Diese Verfahren werden unter dem Oberbegriff Archäometrie zusammengefasst. Durch sie gewinnen Naturwissenschaftler unter anderem Informationen über das Alter eines Objekts, die Herstellungstechnik und die Zusammensetzung des Materials. Die Anwendungsverfahren reichen von physikalischer Materialanalytik, beispielsweise der Mössbauer-Spektroskopie, der Neutronenaktivierungsanalyse und der Dünnschliffmikroskopie bis hin zur chemischen Analytik, mit deren Hilfe vor allem organische Substanzen untersucht werden.

Können Sie uns ein Beispiel eines typischen Projektes nennen?

E.B.:Als Beispiel nenne ich eine Zusammenarbeit mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen der großen Römer-Ausstellung im Jahr 2000 in Rosenheim. In einem Bronzekessel, 25 Zentimeter hoch und mit einem Durchmesser von 40 Zentimeter, befanden sich zahlreiche miteinander verbackene Objekte. Das Ensemble stammte aus dem Grab eines germanischen Fürsten aus dem 1. Jh. n. Chr.

Wir haben in diesem Kessel über 190 Objekte freigelegt, unter anderem verschiedene Gürtel, ein Schwert, eine Lanze. Das Schwert und die Lanze waren bewusst rituell zerstört worden. Das größte Objekt im Kessel war ein eisernes Kettenhemd, das zusammengefaltet hineingelegt worden war. Es besteht aus Tausenden von ursprünglich frei beweglichen Einzelringen, die nun, bedingt durch die Korrosion, fest miteinander verbacken sind. Wir haben festgestellt, dass es im Moment noch keine Methode gibt, dieses Kettenhemd wieder komplett freizulegen.

Zur Dokumentation wurde eine Röntgenaufnahme angefertigt, durch die noch etliche im Kettenhemd verborgene, jetzt unzugängliche silberne und bronzene Kleinteile entdeckt wurden. Wir haben das Objekt dann tomographisch untersucht, um die einzelnen Gegenstände dreidimensional zu lokalisieren. Auf eine weitergehende Freilegung des Kettenhemdes wurde verzichtet. Zumindest haben wir in zwei Ebenen radiographisch dokumentiert, was in diesem Kettenhemd enthalten ist und zu welcher Sachgruppe die einzelnen eingeschlossenen Teile gehören. Unzählige Einzelinformationen werden so im Verlauf der Restaurierungen und durch die verschiedenen physikalisch-chemischen Untersuchungsmethoden gewonnen. Wenn wir diese Ergebnisse in einen interdisziplinären wissenschaftlichen Disput einbinden, kann ein umfassendes Bild des außergewöhnlichen Fundes und des Fürsten von Hagenow entstehen.

Sie arbeiten in den Restaurierungsateliers auch mit einer Gefriertrocknungsanlage. Können Sie ein Beispiel für die Verwendung dieses Geräts geben?

E.B.:Die Gefriertrockungsanlage dient der Konservierung von organischem Material aus Feuchtlagerung. Das ist ein Schwerpunkt unserer Abteilung. Nassholz erhält sich in unseren Breitengraden im feuchten Milieu, das heißt im Meer, in Seen, Flüssen oder Wassersenken. Das Problem bei der Nassholzkonservierung ist, dass das Objekt bei schneller Trocknung kollabieren kann, weil in den Zellen das Lignin - das ist der Stoff, der dem Holz die Stabilität gibt - meist mehr oder weniger stark abgebaut wird.

Wenn so ein Stück bei einer Ausgrabung zum Vorschein kommt, muss es feucht gehalten, am besten im Wasser aufbewahrt und sofort in die Restaurierung gebracht werden. Dort wird der Fund zunächst gereinigt, der Zustand dokumentiert und der Abbaugrad des Holzes bestimmt. Das im Holz enthaltene Wasser muss mit einem Medium ausgetauscht werden, das das Objekt stabilisiert. Wir verwenden dazu Polyethylenglycol (PEG). PEG ist eine wachsartige Substanz, die in Wasser löslich ist. Sie lagert sich aufgrund ihrer Eigenschaften gut in die Holzzellen ein und verdrängt das dort vorhandene Wasser. Ein so getränktes Holz lässt sich vorsichtig trocknen, wobei das PEG aushärtet, ohne dass es zu Verformungen oder Schädigungen des Holzes kommt.

Das beste Konservierungsverfahren für Nasshölzer ist jedoch die Gefriertrocknung in Kombination mit einer vorangehenden PEG-Tränkung. Bei der Gefriertrocknung werden die Objekte eingefroren und anschließend im Vakuum durch Sublimation getrocknet. Das heißt, dass das im Holz enthaltene Wasser direkt vom festen, eisförmigem in den gasförmigen Zustand übergeht. Mit den so konservierten Hölzern können wir eine Vielzahl von Informationen hinsichtlich der Holzart, des Alters, der Herstellung und ihrer Verwendung ablesen. Beispielsweise gelang es uns auf diese Weise, anhand von geborgenen Teilen eine merowingerzeitliche Wassermühle aus Dasing aus dem 7 Jh. n. Chr. annähernd zu rekonstruieren.

Was fasziniert Sie an diesem Beruf?

E.B.:An dem Beruf Restaurator, speziell des archäologischen Restaurators, fasziniert mich die Sichtbarmachung von Geschichte. Es gibt keine Langeweile, jedes Objekt birgt neue Aspekte. Wir haben in unserer Abteilung ein tolles Team und außerordentlich gute Arbeitsbedingungen. Wir konnten maßgeblich bei der Gestaltung des Neubaus, bei der Einrichtung unserer Arbeitsplätze und unserer Ausrüstung mitwirken. Das ist eine Sache, die beruflich sehr glücklich macht.


Die Restaurierungswerkstätten

Ein Blick hinter die Vitrinen
Reportage über einen Besuch in den Restaurierungswerkstätten der Archäologischen Staatssammlung München.

Die Vorher-Nachher-Show
Bilder-Show vom Fundstück zum Ausstellungsstück.

"Böse scheint er nicht zu sein"
Stefan Gussmann über seine Arbeit am Merkur von Obernburg

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Zustandsaufnahme einer merowingerzeitlichen Riemenzunge
von Weilheim-Horchenfurch, Obb.
Im Röntgenbild werden die
fein eingelegten Silberverzierungen
unter der Rostschicht sichtbar
Zum Vergleich Riemenzunge
von Ebenhofen, Lkr. Ostallgäu