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Ein Blick hinter die Vitrinen

Reportage über einen Besuch in den Restaurierungswerkstätten der Archäologischen Staatssammlung München.

"Ich hab da einen komischen Stein gefunden."
So melden sich viele Hobbyarchäologen beim Pförtner der Archäologischen Staatssammlung München.
Selten stellt sich der "komische Stein" als interessanter Fund heraus. Aber was passiert mit den Fundstücken, wenn Wissenschaftler Aufschlussreiches dahinter vermuten?
Ob ein Objekt weitere Untersuchungen rechtfertigt, finden die Wissenschaftler am schnellsten heraus, wenn sie den Fund unter ein Röntgenstrahlengerät legen. Manchmal kommen unter den dicken Verwitterungsschichten wahre Schätze zum Vorschein.

Laien kennen die Prachtexemplare aus den Zeiten unserer Urahnen nur aus Vitrinen und ahnen nicht, dass ein Exemplar vom "komischen Stein" zum Ausstellungsstück oft einen langwierigen Weg hinter sich gebracht hat.
Sobald das Röntgenbild eines Fundes, ein Schwert eine Gürtelschnalle oder eine Münze erkennen lässt, werden in mühevoller Kleinarbeit Erde und Korrosionsrückstände Schicht für Schicht durch Sandstrahlen oder Feinschleifen abgetragen.

In den Ateliers der Werkstätten werden Objekte getrennt nach Glas, Keramik, Holz, Leder, Stein oder Metall restauriert.

Früh übt sich, was ein Restaurator werden will

Da man einem antiken Glas nicht zumuten kann, in die Hände eines noch unerfahrenen Praktikanten zu fallen, hat sich Constanze Thomas, Glasrestauratorin, eine besonders knifflige Übung für die Praktikanten der Werkstätten ausgedacht.

Hier erklärt Ihnen Frau Thomas persönlich die Übung

Sie zerschlägt eine Glühbirne, lässt einige Scherben auf Nimmerwiedersehen verschwinden und bittet die Restauratoren in spe, die Glühbirne wieder zu reparieren. Da Restauratoren nicht hexen können, müssen sie den Scherbenhaufen auch nicht zum Leuchten bringen, aber die Form einer Glühbirne möchte Frau Thomas wieder erkennen können.

Scherbe für Scherbe wird das Glas mit Millimeter kleinen Klebestreifen vollständig zusammengesetzt. Zwischen die Lücken der Tesafilmstreifen kleben die Praktikanten kleine gebogene Metallhäkchen mit winzigen Sekundenkleberpunkten fest. Die Klebestreifen entfernen sie und verfüllen die Fugen mit Hilfe einer Stecknadel mit Epoxidharz-Araldid, einem sehr dünnflüssigen Klebstoff.

Dann fertigen die zukünftigen Restauratoren eine Innen- und eine Außenmanschette aus Silikon an, an deren oberen und unteren Rändern sie Strohhalme befestigen, um die fehlenden Glasteile durch Kunstharz zu ersetzen. Durch den unteren Luftkanal pressen sie Klebstoff hinein. Sobald aus dem oberen Strohhalm der Kleber austritt, weiß der angehende Restaurator, dass die Fehlstelle vollständig aufgefüllt ist. Die Manschetten und die Metallhäkchen werden mit einem Ruck entfernt und die neuzeitliche Glühbirne ist fachmännisch wiederhergestellt.

Das Spiel mit dem Schatten

Ähnlich "fisselig" ist die Arbeit an Textilien. Gabriele von Looz, spezialisiert auf Textilrestauration, weiß vom Glück des Restaurators zu berichten, wenn dieser bestimmen kann, aus welchem Material ein Gewebe angefertigt wurde.
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Bei sachgemäßen Ausgrabungen, zum Beispiel in einer Grabstätte, können die Wissenschaftler Aussagen über die Tracht einer Person machen. Dann können sie bestimmen, ob die Person einen Mantel, Hose oder eine Bluse trug.
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Meistens liegen den Restauratoren aber nur kleine Stoff-Teilchen vor, die sich anhand von Erfahrungswerten bestimmten Zeitaltern zuordnen lassen. Oder das Alter eines Gewebes leitet sich über die archäologischen Fundstücke ab, die in unmittelbarer Nähe entdeckt wurden.
Unter dem Mikroskop betrachtet kann sogar das Auge des Laien eine genaue Gewebestruktur erkennen. Die Textilien werden mit gebündeltem Lichtstrahl von zwei Seiten aus beleuchtet, ein Schattenspiel, das manche Überraschung ans Licht bringt.

Während die Mitarbeiter an den archäologischen Raritäten arbeiten, dokumentieren sie jeden Arbeitsschritt. Mit der Kamera, die auf dem Mikroskop befestigt ist, werden zu Beginn, gegen Ende und wenn möglich zwischendurch Fotos gemacht.
Hier erklärt Ihnen Frau von Looz persönlich die Dokumentation

Nichts erinnert mehr an den "komischen Stein", mit dem alles anfing. Doch die meisten Funde werden nicht per Zufall von Privatleuten entdeckt, sondern werden bei planmäßigen Grabungen zu Tage befördert. Und nicht jedem Stück gelingt der große Auftritt in der Vitrine. Nur die ganz besonderen Exemplare sind in der Dauerausstellung oder in Sonderausstellungen zu bewundern. Aber jedes sorgsam aufbereitete Exemplar ist es wert, in den Depots der Archäologischen Staatssammlung aufbewahrt zu werden, um es vor weiterem Verfall zu schützen.


Die Restaurierungswerkstätten

Das Ergebnis muss nicht "schön" sein, aber "informativ"
Egon Blumenau, technischer Leiter der Restaurierungswerkstätten im Gespräch

Die Vorher-Nachher-Show
Bilder-Show vom Fundstück zum Ausstellungsstück.

"Böse scheint er nicht zu sein"
Stefan Gussmann über seine Arbeit am Merkur von Obernburg


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Frau von Looz bei der Arbeit
Feinarbeit mit Pinzette und Mikroskop
Einzelne Teile werden mit Häkchen zusammengesetzt