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Das keltische Jahrtausend

Landesausstellung vom 19. Mai bis 1. November 1993


Die zweite archäologische Landesausstellung in Bayern war dem letzten vorchristlichen Jahrtausend gewidmet. Zu Beginn dieser Zeitepoche existieren im Raum nördlich der Alpen noch anonyme Kulturkreise, die bis heute nur anhand bestimmter künstlerischer Formen oder Bestattungssitten identifiziert werden können. Am Ende des Jahrtausends steht die römische Zivilisation mit ihrer fortgeschrittenen Technik, ihrem hohen Organisationsgrad und ihrer das Abendland formenden Schriftkultur. Dazwischen liegt eine Periode, in der eine Kultur das Schicksal weiter Teile Europas geprägt hat, die zum ersten Mal in der Geschichte von einem Volk ausging: die der Kelten.

Die Kelten, von den Griechen auch Galater, von den Römern Gallier genannt, sind neben den Germanen das andere große Urvolk im archäologischen Europa nördlich der Alpen, das bis heute die Altertumsforscher ebenso wie die Laien fasziniert.
Einerseits haben sie hervorragende Handwerker und erfolgreiche Fernhändler hervorgebracht, andererseits ist es ihnen nicht gelungen, größere staatliche Verbände zu bilden. Der einflussreiche Priesterstand der Druiden bewahrte zwar eine lange Tradition der Überlieferung, doch eine Schriftkultur haben die Kelten nie hervorgebracht.
Keltische Überreste wie zum Beispiel die Namen vieler Flüsse wurden über zwei Jahrtausende tradiert. Im Nordwesten Europas sind keltische Sprachen bis in die Gegenwart lebendig. Bis heute ist die Dichtung um König Artus und seine Tafelrunde, den Zauberer Merlin und die Gralssage, die das Ende der keltischen Stämme in England beschreibt, in die Weltliteratur eingegangen. Der Reiz, den die keltische Kultur auf uns auszuüben vermag, ist noch längst nicht erschöpft.

Die Landesausstellung "Das keltische Jahrtausend" stellte zum ersten Mal die Keltenfunde aus dem heutigen Bayern in den Mittelpunkt. Unter den Exponaten befanden sich Kultgegenstände aus Gold und Bronze, daneben Schmuck, Waffen und Geschirr. Sie dokumentierte auch die bedeutenden Ergebnisse der Ausgrabungen in der Keltenstadt bei Manching. Die Stadt gibt eindrucksvoll Zeugnis von der Blütezeit des freien Keltentums auf dem europäischen Festland, bevor es dem Ansturm von Römern und Germanen noch vor der Jahrtausendwende erlegen ist.





 
Rekonstruktion eines keltischen Hauses aus dem Oppidum von Manching, Lkr. Pfaffenhofen a.d.Ilm
Scheibenfibel mit Zirkelornament, Hallein-Dürrnberg, Land Salzburg