Mitteilung der Freunde der bayrischen Vor- und Frühgeschichte

Museum für Vor- und Frühgeschichte.
 Nr. 129 vom 24. Februar 2011

Menschen und Dinge - 125 Jahre Archäologische Staatssammlung

26. November 2010 bis 13. Juni 2011

Die Jubiläumsausstellung dokumentiert die Sammlungsgeschichte des Hauses mit einer Auswahl archäologischer Highlights aus den reichen Beständen des Museums. Die Denkmäler sind dabei jeweils kulturgeschichtlichen Kontexten zugeordnet.

Eine Zeittafel im Eingangsbereich veranschaulicht die Geschichte der Sammlung, die in ihren älteren Beständen noch weit über die offizielle Gründung am 14. Oktober 1885 zurückreicht und als zentrale Sammlung für die in Bayern geborgenen archäologischen Funde in heutiger Zeit rascher als je zuvor anwächst. Auf dieser als Zeitschiene gestalteten Übersichtstafel sind wichtige chronologische Fixpunkte dargestellt: Die Eingliederung von grösseren Beständen, wechselnde Standorte, bedeutende Ausstellungen und Direktorenwechsel sind farbig markiert. Hintergrundfolien in der Rotunde beleuchten die Sammlungsgeschichte, indem sie historische Dokumente abbilden, die mit den ausgestellten Exponaten im Dialog stehen. Es handelt sich dabei um Akten, Briefe, Fundzettel oder Umzeichnungen aus den Archiven der Staatssammlung.

Am Ende des Rundgangs verdeutlicht eine hinterleuchtete Karte die zentrale Rolle der Staatssammlung in der bayerischen Archäologie.Dargestellt sind elf Zweigmuseen und zahlreiche Orte, in denen archäologische Artefakte aus den Beständen der Staatssammlung ausgestellt sind.

Der Titel der neuen Sonderausstellung "Menschen und Dinge" umfasst mit der Ausrichtung auf die Sachkulturforschung einen zentralen Teil unserer Museumsarbeit, das Streben nämlich, den Menschen als Gestalter seiner Umwelt zu erfassen. Die Eingangsinszenierung präsentiert vor der beleuchteten Folie eines Ausgrabungspanoramas einen Faustkeil und eine Venusstatue (siehe Abb. 1 =>). Die ungewöhnliche, dabei auch ästhetisch reizvolle Kombination veranschaulicht die Spannbreite des schöpferischen Prozesses, der vom universalen Werkzeug bis zur Selbstreflexion des Menschen in der Kunst reicht.

Sieben Kernthemen der europäischen Kulturgeschichte sind in aufeinanderfolgenden Präsentationsbereichen zusammengefasst: Identität; Kommunikation; Macht und Herrschaft; Wirtschaft und Handel; Technologie; Kunst; Magie und Religion. Ohne den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben, sind diese Themenkomplexe als Wegweiser zu verstehen, mithilfe derer der Ausstellungsbesucher das Leben längst versunkener Kulturen wiederentdecken kann.

Der erste Abschnitt des Rundgangs untersucht das Thema Kommunikation. Unter dem Leitmotiv "Die Welt der Sprache und Zeichen" sind archäologische Objekte in den Zusammenhang vielfältiger Formen von Kommunikation gestellt. Neben Schriftzeugnissen werden Bilder und Zeichen als Mittel zur Kommunikation behandelt. Um die Entschlüsselung von Bildzeichen vor Augen zu führen, zeigt eine Projektion moderne "Icons", deren Bedeutung durch die zeitgenössische kulturelle Prägung unmittelbar jedem verständlich ist. Parallel dazu präsentiert eine weitere Projektion den Themenbereich Identität mit Bildern moderner Menschen, deren Identität durch die Auswahl von getragenem Schmuck, Kleidung und Tracht zum Ausdruck gebracht wird. Das Wechselspiel zwischen dem Individuum und der Gruppe, "dem Einzelnen und den Vielen" wird mit begleitenden Objekten thematisiert. Dabei geht es um Fragen des Status innerhalb von Gruppen sowie um Abgrenzung von Gruppen untereinander, deren Ausprägung im archäologischen Material die Grundlage der Bestimmung verschiedener Kulturen bildet.

Der Themenbereich Macht und Herrschaft erläutert die "Beherrschung der sozialen und wirtschaftlichen Gefüge". Ausgewählte Funde deuten die grosse Bandbreite an Möglichkeiten der Zurschaustellung von Macht in dinglicher Form an: Dazu gehören etwa Prunkbewaffnung, Herrschaftssymbole und die Anhäufung von Edelmetallen.

Im Bereich Wirtschaft und Handel werden die "Grundlagen des Lebens" von der bäuerlichen Wirtschaft der Jungsteinzeit bis zum weitläufigen Handelsnetz der Römerzeit und des Mittelalters anhand ausgewählter Objekte behandelt. Dabei wird auch die Organisation des Handels vom Tausch bis zur Entwicklung eines Münzsystems angesprochen.

Der nachfolgende Themenkomplex Technologie ist mit wirtschaftlichen Fragen verzahnt. Nutzung und Entwicklung von Technik als Grundlage menschlichen Lebens in Form bestimmter "Schlüsseltechnologien" werden vorgestellt: Das Spektrum reicht von der Entwicklung des Faustkeils, dem erfolgreichsten Werkzeug der Menschheitsgeschichte, über die Erfindung des Rades, Techniken der Metallverarbeitung bis zur Glasproduktion im Frühmittelalter. Gezeigt werden zudem Spezialwerkzeuge wie medizinisches Besteck oder Stempel für die Produktion von Münzen.

Die Ausstellung schliesst mit den Themen Kunst und Magie und Religion, Bereiche, die eng mit den emotionalen Empfindungen des Menschen verbunden sind. Wieder erlauben aussagekräftige Beispiele von der Steinzeit bis zum Mittelalter einen kontrastierenden Blick auf die vielfältigen Zeugnisse kreativen und magischen Gestaltens. Für den Besucher eröffnen sich Einblicke in die Natur des Menschen, sein Denken, seine Wünsche und seine Ängste.

Durch die ungewöhnliche Zusammenstellung der Artefakte über Epochen- und Kulturgrenzen hinweg ergeben sich immer wieder neue und überaus fruchtbare Blickwinkel.

Eine vertiefte Beschäftigung mit den gezeigten Denkmälern ermöglicht die zur Ausstellungseröffnung erschienene Publikation "Archäologische Staatssammlung München. Glanzstücke des Museums". In diesem Band haben die Konservatoren des Museums und andere mit dem Museum verbundene Forscher Highlights der Sammlung, darunter alle in der Ausstellung gezeigten Stücke, in kurzen Beiträgen gewürdigt. Entstanden sind fachlich fundierte und amüsante Texte, die Einblicke in die verschiedensten Epochen und Kulturen eröffnen, dabei zugleich das Objekt und seine Sammlungsgeschichte im Blick haben und nach den Menschen fragen, die als Schöpfer und Nutzer mit den Gegenständen verbunden waren. Ebenso wie im Ausstellungsrundgang sind in der Publikation die Objekte in kulturgeschichtliche Zusammenhänge eingebunden, die durch kurze Kapiteltexte skizziert werden. Der Band ist mit seitenfüllenden Farbfotos opulent ausgestattet und kann dank der Förderung durch die Ernst von Siemens Kunststiftung zu einem attraktiven Preis von 19.90 Euro angeboten werden. Die Publikation lässt erkennen, wie durch die Weiterentwicklung der archäologischen Forschung auch die Betrachtung der alt vertrauten Objekte immer wieder neue Ergebnisse hervorbringt. Dies bekräftigt die Verpflichtung zu wissenschaftlicher Erschliessung und bestmöglicher Erhaltung der Sammlung für die nachfolgenden Generationen.

Zum Jubiläum:

Am 25. November fand anlässlich des 125-jährigen Bestehens der Archäologischen Staatssammlung die Eröffnungsfeier zur Jubiläumsausstellung "Menschen und Dinge -125 Jahre Archäologische Staatssammlung" im Foyer des Museums statt, zu der über 300 Mitglieder des Freundeskreises gekommen waren. Zugleich konnten an diesem Abend auch die drei Siegerentwürfe zur Neugestaltung des Museumsbaus, die von Studenten der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg erarbeitet wurden, der Öffentlichkeit präsentiert werden. Die Vorschläge zur geplanten Bausanierung in Form von Modellen und Entwurfsskizzen waren im Rahmen eines fächerübergreifenden Hochschulprojektes seit dem Frühjahr unter Leitung der Nürnberger Professoren Fischer, Reindl und Stoll entwickelt worden.

Da der Umfang des Freundeskreises weiterhin erfreulich zunimmt - unsere Mitgliederzahl ist um 79 auf 1009 Personen gestiegen - war eine Zweiteilung der Jubiläumsveranstaltungen erforderlich. Daher fand am 22. Dezember ein zweiter Festakt in der Bayerischen Akademie der Wissenschaften statt, zu dem etwa 300 leitende Vertreter der archäologischen Wissenschaften und der bayerischen Museen eingeladen worden waren. Diese Institutionen sind mit unserem Hause durch Kooperationen, Sponsoring oder andere gemeinsame Projekte seit langen Jahren verbunden. Die Veranstaltung gab Gelegenheit, allen Gästen für die langjährigen Partnerschaften zu danken. Für den abendlichen Festvortrag zum Thema "Frühe Reiternomaden in Südsibirien - Die skythenzeitliche Tagar-KuLtur im Minusinsker Becken" konnte der Präsident der Berliner Stiftung Preussischer Kulturbesitz, Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Parzinger, gewonnen werden, der die Ausgrabungen in Sibirien geleitet hatte.

Im Zusammenhang mit dem Jubiläumsjahr ist auch das Erscheinungsbild (Cl) des Hauses modernisiert worden. Das Gestaltungsbüro Wangler und Abele, München, das bereits an der Einrichtung des Zweigmuseums in Manching beteiligt war, wurde beauftragt, im Laufe des letzten Herbstes neben der Grafik für die Jubiläumsausstellung auch ein modernes Logo und zeitgemässe Printprodukte wie Plakate und Flyer für das Haus zu entwickeln.

Ausstellungen in Vorbereitung:

In einer kleinen originellen Sonderausstellung "Peter Bauhuis: Der Galliumhort von Obertraun" ist vom 16. März bis zum 8. Mai 2011 eine künstlerische Adaption eines "archäologischen Befunde s" zu entdecken. Der "Depotfund",1991 angeblich am Fusse des Dachsteingletschers geborgen, wird erstmals der Öffentlichkeit in vollem Umfang präsentiert. Völlig unbekannt in der Kunstgeschichte ist seine Materialität: Die Arm-, Finger- und Halsringe bestehen aus Gallium, einem Metall, das bei Körpertemperatur schmilzt.

In Vorbereitung ist ferner die mit dem Museo Buonconsiglio in Trento konzipierte Kooperationsausstellung "Im Licht des Südens" (Konzept R. Gebhard/F.Marzatico), zu der bereits eine grosszügige Zuwendung der Kulturstiftung der Länder vorliegt. Dennoch fehlen uns zur Realisierung des Projektes noch etwa 50.000 Euro. Mit Ihrer Hilfe könnten wir dieses grosse, internationale Ausstellungsprojekt durchführen!

Spendenaufruf:

Sollten Sie sich zu einer Spende entschliessen, so verwenden Sie bitte den beiliegenden Überweisungsauftrag. Sein Durchschlag in Verbindung mit Ihrem Kontoauszug ist bis zu einem Beitrag von 200.- Euro die gültige "Zuwendungsbestätigung". Auf Wunsch verschicken wir aber selbstverständlich auch Spendenquittungen an Sie. Die Spender werden namentlich auf einer Wandtafel im Foyer des Museums verzeichnet.

Reisen zur Ausstellung:

Im Zusammenhang mit der Ausstellung "Im Licht des Südens" wird die Archäologische Staatssammlung - wie schon in den letzten Jahren zu unseren grossen Ausstellungen durchgeführt - wieder Reisen, diesmal nach Sizilien, anbieten: Mit der Firma "Lloyd Touristik" ist im Frühling 2012 eine klassische Rundreise zu den berühmtesten antiken Denkmälern und Museen in Agrigent, Selinunt, Piazza Armerina, Taormina, Syrakus und Palermo geplant, eine zweite Rundreise wird neben den archäologischen auch kulinarische Highlights anbieten. Detaillierte Reiseinformationen liegen im Laufe des Sommers vor.

Andrea Lorentzen, Harald Schulze

1. Einladung zum Vortrag am 17.3.2011, 19.00 Uhr

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Wir laden Sie herzlich ein zum Vortrag von

Dr. Brigitte Haas-Gebhard:

"Moorleichen" in der Archäologischen Staatssammlung.

Ort: Foyer der Arch¨ologischen Staatssammlung

Unkostenbeitrag: 5 Euro, inkl. Eintritt in die Sonderausstellung "Menschen und Dinge", geöffnet bis 21.30 Uhr.

Umstellung auf elektronische Info/e-mail.

Um Ihnen zukünftig Mitteilungen und Veranstaltungshinweise aktuell zukommen zu lassen und Portokosten zu sparen, bitten wir um Zusendung Ihrer e-mail Adresse an unser Sekretariat:

"cornelia.schoenhuber@extern.lrz-muenchen.de


".Jahresbericht des Hauses

Erstmalig ist eine schriftliche Zusammenstellung der Arbeit des letzten Jahres in Vorbereitung und ab Frühjahr 2011 im Internet unter www.archaeologie-bayern.de einsehbar.

Dr. Walter Dieck (Vorsitzender)       Prof. Dr. Rupert Gebhard (stv. Vorsitzender)