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Kennst du die Bajuwaren?
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Stände der Bajuwaren
Ein bajuwarisches Gehöft
Kleidung der Bajuwaren
Die Bajuwaren - ein Volk geschickter Handwerker
Religion der Bajuwaren
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"Herzlich willkommen bei uns Bajuwaren! Wir wohnen 550 n. Chr. schon in richtigen kleinen Siedlungen mit 10 bis 20 Gebäuden. Jede Familie lebt auf ihrem Hof. Dazu gehört ein Wohnhaus, eine Scheune, offene Schuppen und auch Speicher- und Vorratsbauten.
Sicherlich ist es bei uns nicht so modern wie bei euch, aber in vielen Dingen ähnelt unser Alltag doch sehr dem euren."
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Stände der Bajuwaren
Du wirst dich fragen, was Stände überhaupt sind - so bezeichnet man bestimmte Klassen oder Schichten einer Gesellschaft, die untereinander eine feste Rangordnung haben.
In Stände wurde man hineingeboren.
Im Land der Bajuwaren war der Herzog der oberste Herrscher.
Nach ihm unterschied man noch den Stand der Adligen, der "gewöhnlichen" Freien, der Freigelassenen und der unfreien Knechte.
Die Freien waren einfache Bauern, die ihre Gehöfte selbständig bewirtschafteten. Sie durften Waffen tragen und waren verpflichtet, mit dem Herzog in den Krieg zu ziehen.
Auf den untersten Stufen der Rangordnung standen die Halbfreien, die Freigelassenen und die Leibeigenen. Sie hatten keinerlei Rechte und durften wie Sachen oder Tiere behandelt werden.
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Ein bajuwarisches Gehöft
Die meisten Bajuwaren waren einfache Menschen. Sie lebten vor allem von Ackerbau und Viehzucht.
Die Häuser der Bajuwaren waren noch nicht aus Stein gebaut, sondern bestanden aus einem inneren und einem äußeren Holzrahmen.
Die Außenwände bildeten Holzbretter oder ein Flechtwerk, das mit Lehm abgedichtet wurde. So schützte das Haus Mensch und Tier vor Wind und Wetter.
Im Inneren unterteilten geflochtene Wände das Haus in Räume für Menschen, Tiere und Vorräte.
Den Fußboden bildete gestampfter Lehm, das Dach war mit Stroh bedeckt.
In der Mitte des Hauses gab es eine offene Feuerstelle. Hier wurde gekocht, und in der kalten Jahreszeit wärmte es die Bewohner.
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"Wie ihr gerade gehört habt, werden unsere Wände häufig geflochten. Daher stammt noch heute der Begriff "Wand". Denn "Wand" kommt von "winden" = "flechten". Interessant, nicht wahr?" |
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Die Häuser waren sehr zweckmäßig mit Tischen, Bänken, Stühlen und Truhen eingerichtet. Es gab sogar schon richtige Betten. Sie waren sehr kunstvoll geschnitzt und gedrechselt.
In den Scheunen lagerten die Bauern Heu und Stroh.
Auf großen Gehöften gab es sogar schon Ställe, in denen bis zu 24 Rinder Platz hatten. In überdachten Erdkellern, die man Grubenhäuser nennt, lagerten die Menschen alle Vorräte, die kühl, feucht und vor Frost geschützt aufbewahrt werden mussten, zum Beispiel Rüben.
Für Nahrungsmittel, die vor Feuchtigkeit und vor Mäusen geschützt sein sollten, bauten die Bajuwaren kleine Speicher. Sie befanden sich auf einem dicken Holzrost, der auf Pfosten erhöht über der Erde stand. Hier lagerten die Bauern Saatgut oder Getreide.
War kein Fluss in der Nähe, gehörte zum Gehöft natürlich auch ein Brunnen.
Manchmal gab es auf den Grundstücken auch kleine, überdachte Backöfen und sogar Eisenschmelzen.
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"Ihr habt jetzt schon viel über uns erfahren. Ich habe großes Glück, dass ich der Sohn eines freien Bauern bin, denn die Unfreien haben wirklich ein hartes Leben.
Als Sohn eines Bauern kenne ich mich natürlich bestens mit der Arbeit auf unserem Hof aus.
Jeden Tag helfe ich meinem Vater bei der Feldarbeit. Wir bauen auf unseren Feldern in diesem Jahr Roggen, Hafer, Gerste und Flachs an.
Unsere Nachbarn sind sehr reiche Bauern, die haben sogar Weinreben.
Am liebsten helfe ich im Stall bei den Tieren. Wir haben nämlich Schweine, Kühe, eine Ziege, Hühner, Enten und Gänse.
Mein bester Freund ist allerdings Arno, unser Hofhund."
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Kleidung der Bajuwaren
Ob Bauer, Krieger oder Handwerker - die Tracht der bajuwarischen Männer war sehr ähnlich.
Sie trugen eine Leinenhose und darüber ein knielanges Gewand mit Gürtel.
An den Füßen hatten sie Lederschuhe oder Stiefel.
Es gab in den verschiedenen Jahrhunderten sogar unterschiedliche Gürtelmoden.
Auf dem Bild kannst du eine kunstvoll verzierte Riemenzunge sehen, die im 7. Jahrhundert voll im Trend lag.
Da die Kleidung damals keine Taschen hatte, trugen die Männer einen Lederbeutel am Gürtel, in dem sie alles Notwendige wie Messer, Feuersteine oder Kämme verstauten.
An ihrem Gürtel hing außerdem noch ein Hiebmesser, der so genannte Sax.
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Handelte es sich um einen Krieger, gehörte zu seiner Ausrüstung noch ein langes, zweischneidiges Eisenschwert, die Sparha, ein Wurfbeil und ein Rundschild zum Schutz im Kampf. Diese Rundschilde waren aus Holz, mit Leder bezogen und verziert.
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"Hier auf dem Bild siehst du von Archäologen ausgegrabene Verzierungen auf einem solchen Rundschild." |
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Die Tracht der bajuwarischen Frauen war sehr einfach. Sie trugen knielange Röcke und darüber eine lange Leinenbluse. Genau wie bei den Männern wurde alles von einem modischen Gürtel zusammengehalten.
Statt der Strümpfe trugen sie Leinenbinden an den Waden. Sie wurden von verzierten Bronze- oder Eisenschnallen und Lederriemen gehalten.
An ihren Füßen hatten sie weiche Lederschuhe.
Natürlich haben sich die Bajuwarinnen auch gerne geschmückt. Neben Halsketten aus Glasperlen, Ohrringen und prächtigen Fibeln (Broschen) stieß man bei Ausgrabungen immer wieder auf Amulette. Sie waren aus Metall oder Knochen, Bergkristall oder Kaurischnecken vom Roten Meer. Die Amulette sprechen dafür, dass die Bajuwarinnen sehr abergläubisch waren, denn Amulette sollten drohendes Unheil und das Böse fernhalten.
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Die Bajuwaren - ein Volk geschickter Handwerker
Nur sehr geschickte Handwerker können hochwertige Werkzeuge, Waffen und prachtvollen Schmuck herstellen.
Besondere Handwerkstechniken der damaligen Zeit waren das Damaszieren, Tauschieren und Punzieren.
Mit der Technik des Damaszierens haben bajuwarische Schmiede besonders scharfe und haltbare Schwerter hergestellt. Sie schmiedeten weichere Eisenplatten mit härteren Stahlplatten in mehreren Schichten übereinander. Dann drehten sie das Ganze zu einem Zopf. Die unterschiedlichen Schichten wurden im Feuer miteinander verschweißt. Jetzt hatte der Schmied ein besonders strapazierfähiges Material, aus dem er den Schwertkern schmiedete. Danach wurde noch eine Schwertklinge aus Stahl angeschmiedet und geschliffen. Fertig war ein sehr scharfes und haltbares Schwert.
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Mit der Technik des Tauschierens verzierten die bajuwarischen Handwerker äußerst kunstvoll verschiedenste Schmuckstücke. Ein Beispiel dafür sind die Gürtelgarnituren der Männer und Frauen.
Zuerst graviert der Handwerker ein Muster in ein weniger wertvolles Metall, zum Beispiel in eine eiserne Gürtelschnalle. In die Rillen der Gravur legt er nun einen Silber-, Gold- oder Messingdraht, der mit Hilfe eines Holzkeils in die Rillen gehämmert wird. Und schon ist ein wunderschönes Schmuckstück entstanden.
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Beim Punzieren hat man Edelmetall, häufig ein dünnes Goldblech, auf eine verzierte Vorlage (Model) gelegt und das Muster eingehämmert.
So wurden unter anderem goldene Bestattungskreuze gefertigt.
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"Siehst du, wir Bajuwaren sind eben nicht nur gute Bauern, sondern auch tolle Handwerker. In der Archäologischen Staatssammlung in München kannst du die Ergebnisse unserer Handwerkskunst noch heute bewundern."
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Religion der Bajuwaren
Wenn man bedenkt, dass die Bajuwaren aus germanischen Stämmen und der römisch-keltischen Bevölkerung entstanden sind, dann ist eigentlich schon klar, dass sie nicht von Beginn an Christen gewesen sein können.
Das Christentum war im 6. Jahrhundert unter den Bajuwaren noch wenig verbreitet.
Aus Irland kamen Missionare, um als Wanderbischöfe den christlichen Glauben zu verkünden. Die Bajuwaren waren ihnen jedoch häufig nicht freundlich gesonnen. So mancher Missionar musste seinen Glauben noch mit dem Leben bezahlen.
Es waren vor allem die fränkisch-irischen Missionare Emmeram, Rupert und Korbinian, die den christlichen Glauben allmählich auch bei den Bajuwaren verbreiteten.
Um eine feste kirchliche Ordnung zu schaffen, kam 739 Bonifatius, ein Mönch von den britischen Inseln, im Auftrag des Papstes ins Baiernland und teilte es in fünf Bischofsbezirke ein. Das waren Regensburg, Freising, Eichstätt, Passau und Salzburg.
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"Auch wenn wir langsam zum Christentum bekehrt werden, leben heidnische Bräuche und der Glaube an die alten germanischen Götter noch lange fort.
Unsere Kirchen sind übrigens noch nicht sehr prächtig. Sie waren aus Holz, mit einem Dach aus Stroh und sehen unseren Wohnhäusern sehr ähnlich."
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"Jetzt hast du wirklich viel über uns erfahren. Und wenn du jetzt etwas über Bayern hörst, wirst du vielleicht auch mal an uns denken."
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Heiße Tipps für Leseratten:
Die bajuwaren Von der Völkerwanderung bis Tassilo III.
von Wilhelm Störmer
C.H. Beck Verlag
Was ist was?, Bd.65, Die Eiszeit
von I. Möller, Hans Reichardt, Günther Todt, Gerd Werner
Tessloff Verlag
Wer waren die bajuwaren
Juniorkatalog des Museumspädagogischen Zentrums München
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