In der Zeit vom 4. November 1994 bis 8. Januar 1995 wird in der Prähistorischen Staatssammlung die 767 keltische Münzen umfassende Münzsammlung von Herrn Josef Schörghuber aus München gezeigt, die zu den größten Sammlungen im In- und Ausland zählt. Durch glückliche Umstände gelang es, Herrn Schörghuber davon zu überzeugen, daß diese Sammlung, die vor einigen Jahren im Münzhandel zum Kauf angeboten wurde, geschlossen erworben werden sollte. Eine vergleichbare Privatsammlung mit einer solchen Vielzahl von Stücken ist heute nur schwer zu finden und kann sich mit den Beständen großer Münzkabinette messen.
Die Sammlung umfaßt Silber- und Bronzemünzen von der Iberischen
Halbinsel (Abb. 1, 2), Stücke aus Gallien und dem Mittleren und Unteren
Donauraum. Unter den Münzen aus Südostgallien und dem östlichen
Mittelgallien sind zahlreiche typengleiche Prägungen vertreten. Sogar
stempelgleiche Stücke sind nachgewiesen, was Anlaß zu der Vermutung
gibt, daß diese aus einem Schatzfundkomplex stammen. Die Zuweisung
zu einem bestimmten Schatzfund gestaltet sich jedoch schwierig, da ein Nachweis
für den Zeitpunkt des Ankaufes, die Herkunft oder den Fundort der Münzen
nur in einigen wenigen Fällen möglich ist. Eine Ausnahme stellen
zehn norische Großsilbermünzen dar, die aus dem mehr als 200
Stücke umfassenden großen Silberfund von Haimburg (Kärnten)
stammen (Abb. 3). Bis heute steht der genaue Umfang dieses für die Geschichte
Österreichs so bedeutenden Fundes nicht fest.
Die Kelten beginnen an der Wende vom vierten zum dritten Jahrhundert v.Chr. Münzen zu prägen. Den Auslöser für diese Münzprägung sieht man in der Entlohnung keltischer Söldner mit Münzen, denn nach einem Feldzug kehrten sie mit ihrem Lohn in die Heimat zurück und dürften auf diese Weise die einheimischen Fürsten dazu angeregt haben, selbst Gold- und Silbermünzen zu prägen.
In Gallien wurde hauptsächlich der Goldstater Philipps II. von
Makedonien (359-336 v.Chr.) nachgeahmt (Abb. 4), im Donau-Balkanraum die
silbernen Tetradrachmen Philipps II. (Abb. 5. 6) und Alexanders III., des
Großen (Abb. 7. 8) und in Böhmen Münzen Alexanders des Großen
mit der Darstellung der Göttin Athene und der Nike mit Siegeskranz.
Charakteristisch für die frühe Phase dieser Prägungen
am Ende des vierten und beginnenden dritten Jahrhunderts v.Chr. ist die bewußte
bildliche Anlehnung an die Originale sowie die Übernahme der
Gewichte und Goldgehalte. In der Folgezeit verrohen allerdings die Bildmotive
durch zunehmende Stilisierung, was sich durch zahlreiche Stücke in der
Sammlung belegen läßt. An allen Goldmünzen der vorliegenden
Sammlung konnten am Lehrstuhl für Angewandte Mineralogie und Geochemie
der Technischen Universität München zerstörungsfreie Metallanalysen
durchgeführt werden, sodaß eine größere Reihe von Münzanalysen
der verschiedensten keltischen Münzen vorliegt, die Informationen über
die Legierungszusammensetzung geben. Diese Untersuchung kann Aufschluß
geben über die Herkunft und Gewinnung des Goldes.
Die vorliegende Privatsammlung stellt vor allem eine hervorragende Basis für Material- und Vergleichsstudien an keltischen Münzen der Latènezeit dar. Dem Besitzer dieser Sammlung, Herrn Josef Schörghuber, gebührt daher großer Dank für die Möglichkeit, die Münzen nicht nur in einem Katalog vorlegen, sondern der Öffentlichkeit im Rahmen einer Sonderausstellung präsentieren zu dürfen. Die Münzen stehen der Prähistorischen Staatssammlung als unbefristete Leihgabe zu Ausstellungszwecken zur Verfügung.
Im Mai 1993 versuchte ein Sondengänger einen größeren Komplex keltischer Silbermünzen, den er bereits 1992 entdeckt und ausgegraben hatte, an einen Privatsammler zu verkaufen. Der Sammler erkannte indes sofort die Bedeutung des Fundes und wies ihn eindringlich darauf hin, daß es sich um einen Bodenfund handle, der unbedingt dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege (Referat Oberbayern) gemeldet werden müsse. Das Schatzsucherfieber und die Unkenntnis des Finders haben leider auch diesmal verhindert, mehr Informationen zu den Umständen der Verbergung des Schatzes zu erhalten, wäre die Entdeckung unverzüglich gemeldet und an dieser Stelle eine gezielte archäologische Ausgrabung durchgeführt worden. Wenigstens konnte durch eine Nachuntersuchung des Landesamtes die Fundstelle in einem Waldstück nördlich von Strussberg, Gde. Teisendorf zweifelsfrei lokalisiert werden.
Bemerkenswert bei der Zusammensetzung des Fundes ist nicht nur die
hohe Zahl der Büschelquinare, sondern auch die Tatsache, daß sie
nur zwei Typengruppen angehören. 156 Stücke gehören zur Gruppe
C (Abb. 9-11), für die sehr kleine Schrötlinge charakteristisch
sind, die restlichen beiden gehören der Gruppe E an. Die Vorderseiten
der meisten Büschelquinare zeigen einen Haarwirbel, der an einer Stelle
in einer Art Zange endet, die Rückseite ein Pferdemotiv. Oberhalb und
unterhalb des Pferdes befinden sich unterschiedliche Beizeichen. Insgesamt
sind mindestens 16 verschiedene Varianten nachgewiesen (Torques, Kugeln, Halbbögen,
Kreuz). Als Fundmünzen häufig anzutreffen sind die Kaletedou- und
Haeduer-Quinare, die im Oppidum von Manching und in Siedlungen von Stöffling
und Egglfing nachgewiesen sind. Sie sind zwar bei weitem seltener als die
Büschelquinare, waren im regulären Geldumlauf aber sicherlich ebenfalls
als Zahlungsmittel zulässig.
Das zweifellos schönste Stück stellt ein gallischer Quinar
dar, der möglicherweise aus Zentralfrankreich stammt (Abb. 12). Ein weiteres
Exemplar ist in sehr schlechter Qualität nachgewiesen, da es durch den
Brand erheblich in Mitleidenschaft gezogen worden ist. Das besser erhaltene
Stück hat ein Gewicht von 1,265 Gramm, zeigt einen Kopf mit welligen
Haaren mit einer Reihe von Punktlocken vor dem Ohr und wird von einem Perlkreis
eingefaßt. Auf der Rückseite befindet sich ein nach links galoppierendes
Pferd mit einer Volute und einem kleinen Zweig. Sowohl dieser bisher sehr
seltene Münztyp als auch die drei Kaletedou-Quinare weisen auf die weitreichenden
Kontakte nach Gallien hin, über die man in der Spätlatènezeit
verfügte.
Der Schatzfund von Teisendorf ähnelt in der Zusammensetzung dem Fund von Manching, der 1936 entdeckt wurde und in einer Tonflasche deponiert lag. Auch hier besteht die Masse der Stücke aus Büschelmünzen der Gruppe C, einigen Kaletedou-Quinaren sowie einigen wenigen Stücken aus Nord- und Südostgallien. Hingegen gibt es praktisch keine Verbindungen zu den Schatzfunden von Neuses in Oberfranken oder den beiden Büschelquinarfunden von Manching aus den Jahren 1981/83, da in diesen überwiegend Büschelmünzen der Gruppe A, B und E enthalten waren. Das Tongefäß des Manchinger Schatzfundes und die gleichartige Zusammensetzung des Teisendorf-Komplexes gibt schließlich den Hinweis, daß die Münzen in der Spätlatènezeit geprägt und verborgen wurden.
In unmittelbarer Nähe des Schatzfundes wurden auf einer größeren Fläche außerdem zahlreiche Fundmünzen aufgelesen (Büschelquinare Gruppe C und E, Kaletedou-Quinare, eine gefütterte norische Großsilbermünze, Kleinsilbermünzen vom Typ Karlstein und ein goldener boischer Achtelstater). Damit steht fest, daß der Schatzfund in oder bei einer keltischen Siedlung vergraben lag. Die archäologischen Funde von diesem Platz stammen alle aus der Spätlatènezeit.
Bei dem interessantesten Zeugnis dieses Fundplatzcs handelt es sich um eine römisch-republikanische Großbronze. Auch aus dem Oppidum von Manching kennen wir drei republikanische Großbronzen aus der Zeit zwischen 179 und 136 v.Chr. Trotz der mäßigen Erhaltung des Teisendorfer Stückes läßt es sich eindeutig in die Zeit von 179 bis 170 v.Chr. datieren. Ob damit allerdings ein Anhaltspunkt für das früheste Zeugnis der Besiedlung gewonnen ist, darf bezweifelt werden, da sich das Stück lange im Münzumlauf befunden hatte, bevor es ins Berchtesgadener Land gelangt war.
Aus der erst seit kurzer Zeit bekannten Spätlatènesiedlung
von Egglfing konnten 52 keltische Münzen erworben werden. Die meisten
von ihnen gehören zum Büscheltyp und zum Manchinger Kleinsilber.
Neben einem gefütterten Regenbogenschüsselchen, drei Viertelstateren
und einem boischen Muschelstater liegt auch eine gallische Münze vor,
die man den frühesten Goldprägungen im süddeutschen Raum zurechnen
darf. Es handelt sich um die keltische Imitation einer Goldmünze Philipps
II. v. Makedonien mit einem Gewicht von 8,296 Gramm. Die Vorderseite zeigt
einen schwach barbarisierten Apollokopf nach rechts, die Rückseite
ein Zweigespann mit Wagenlenker nach links sowie das Beizeichen einer Ähre
(Abb. 13). Unter dem Rückseitenmotiv befindet sich bei den Stücken
Philipps II. üblicherweise die Legende: "Philippou" in griechischer
Schrift. Diese wird auf der keltischen Münze allerdings nur durch Punkte
und Striche angedeutet. Bereits vor mehr als 20 Jahren wurde in Weiding,
Lkr. Cham ein Halbstück dieses Typs gefunden. Ein weiteres Exemplar
kennen wir aus Unterfranken. Obwohl dieser Typ vorläufig nur von vereinzelten
Fundorten bekannt ist, geben diese Stücke einen ersten Hinweis auf Kontakte
zwischen Gallien und Nordbayern am Beginn der Mittellatènezeit.
Vorläufig noch Rätsel hinsichtlich der Herkunft, gibt eine
Silbermünze auf, die im Gewicht mit 2,644 Gramm keltischen Drachmen-Imitationen
aus Süd- und Mittelgallien ähnelt (Abb. 14). Vielleicht kam diese
Münze auf demselben Weg nach Egglfing wie der gallische Philipper-Stater.
Die Vorderseite zeigt einen Kopf mit Ringellocken, die Rückseite ein
Pferd mit Punktmähne und einen Schweif, der aus vielen kurzen Linien
besteht.
Keltische Fundmünzen aus Stöffling, Lkr. Traunstein
Aus der am Ufer der Alz gelegenen Spätlatènesiedlung von Stöffling
unweit von Seebruck liegen mittlerweile fast 700 keltische Münzen vor,
die in den letzten Jahren mit Genehmigung des Landesamtes für Denkmalpflege
von einen Sondengänger aufgespürt wurden. Den geringsten Teil,
jedoch keineswegs den unbedeutendsten, stellen die Kleingoldprägungen
dar, die erstmals in größerer Zahl aus einer Siedlung bekannt wurden.
Diese Stücke gehören wahrscheinlich zu den frühesten Goldprägungen
in Bayern. Die Masse der Fundmünzen setzt sich aus den
silbernen Büschelquinaren und Kleinsilbermünzen vom Typ
Manching zusammen (Abb. 15-17), wie wir sie bereits durch die zahlreichen
Funde aus dem Oppidum von Manching kennen. Die verschiedenen Fundanteile
von Gold-, Silber und zinnhaltigen Bronzen im Oppidum von Manching und Stöffling
lassen sich gut miteinander vergleichen. Etwa ein knappes Zehntel entfällt
auf Gold und Bronze, der Rest auf Silber. Es hat den Anschein, daß sich
in Stöffling neben einer metallverabeitenden Werkstätte auch eine
Münzstätte befand. Zumindest deuten die zahlreichen
kleinen Silberschmelzreste (Abb. 18) und Schrötlinge sowie ein
Münzstempel darauf hin, wenngleich die dazu benötigten Tüpfelplatten
zum Erschmelzen des Rohmaterials fehlen. Ferner gibt es eine Reihe von gefütterten
Büschelquinaren und Kleinsilbermünzen mit einen Bronze- oder Eisenkern.
Da diese gefütterten Münzen keineswegs selten sind, wird man erwägen
müssen, ob diese besondere Art der Fertigung nicht eher eine Methode
war, Material einzusparen, als daß damit eine betrügerische Absicht
verbunden war.
Aus weiter entfernten Regionen liegen ebenfalls Stücke vor, die wahrscheinlich auf dem Handelsweg nach Stöffling gelangt waren. Hierzu zählen zwei massiliotische Drachmenimitationen aus Oberitalien, zahlreiche Kaletedou-Quinare, Potinmünzen vom Leuker- und Sequaner Typ deren Heimat in Nord- bzw. Mittelgallien liegen, sowie eine kleinere Zahl von boischen Kleinsilbermünzen vom Typ Stradonitz.
Bernward Ziegaus
In der Zeit vom 4. November 1994 bis zum 8. Januar 1995 zeigt die Prähistorische Staatssammlung unter dem Titel
in einer Sonderausstellung die Münzsammlung von Herrn Josef Schörghuber und
Die Ausstellung wird am Donnerstag, den 3. November 1994 um 18.00 Uhr durch Herrn Staatsminister Hans Zehetmair in der Prähistorischen Staatssammlung München, Lerchenfeldstr. 2, 80538 München eröffnet.
Dazu möchten wir Sie und ihre Freunde herzlich einladen. Im Anschluß an die Eröffnung werden Erfrischungen gereicht.
Dr. Hermann Dannheimer Dr. Walter Dieck