MITTEILUNGEN
der
FREUNDE DER BAYERISCHEN VOR- UND FRÜHGESCHICHTE

Nr. 88 vom 7. Dezember 1998

Neugestaltung des Lichthofes II in der Prähistorischen Staatssammlung

Lichthof Im Rahmen der Mitgliederversammlung der Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte am 11.11.1998 wurde der umgestaltete Lichthof II in der Prähistorischen Staatssammlung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Mittelpunkt der neuen Präsentation steht ein mehr als 40 Quadratmeter großes prachtvolles römisches Fußbodenmosaik, das mit Unterstützung der Ernst von Siemens-Stiftung erworben werden konnte. Das Kunstwerk ist in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts n.Chr. von Mosaizisten aus dem Salzburger Raum geschaffen worden. Diese verstanden es, unter Verwendung farbigen Steinmaterials vielgestaltige geometrische Muster mit hoher plastischer Wirkung zu entwerfen. Das Mosaik, das zu den bedeutendsten seiner Art aus römischer Zeit in Bayern gehört, stammt aus Kraiburg am Inn. Es wurde erst 1994 durch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege ausgegraben und anschließend durch die Prähistorische Staatssammlung und die Mayer'sche Hofkunstanstalt geborgen und fachgerecht ergänzt. Antikes Ambiente wird in der Ausstellung durch die Einbindung des Mosaiks in einen in Originalgröße rekonstruierten und eingerichteten antiken Speiseraum vermittelt. Dessen Wandmalereien und das Mobiliar - Speiseliegen und Speisetischchen - sind nach originalen Vorlagen gefertigt. So wird dem Betrachter ein plastischer Eindruck von der hohen Wohn- und Lebensqualität in römischer Zeit vermittelt - auch hier im kalten Norden des Imperiums.
Bernd Steidl


Zeugnisse des Kaisers Magnentius

Ring Constantin d. Gr. führte in der Zeit der politischen Unruhen, als er sich seiner Mitkämpfer besonders versichern mußte, die Sitte ein, zur Belohnung goldene Fingerringe zu vergeben, deren Inschrift den Träger zur Treue auf den Kaiser verpflichtete. Auch in Bayern, in Augsburg, wurde ein solcher Fingerring gefunden. Von Constans, dem Sohn Constantins, sind ebenfalls entsprechende Ringe belegt. Zum ersten Mal wurde nun ein Goldfingerring mit einem weiteren Kaisernamen, dem des Magnentius, bekannt, und die Prähistorische Staatssammlung konnte dieses einzigartige Schmuckstück und Würdezeichen mit Mitteln der "Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte" erwerben. Es ist derzeit in der Sonderausstellung "Rom und Byzanz - Archäologische Kostbarkeiten aus Bayern" ausgestellt.

Der Kaiser, dessen Namen auf dem neuen Ring zu finden ist, war in die Machtkämpfe des 4. Jahrhunderts verwickelt. Nach dem Tode Constantins d. Gr. im Jahre 337 regierten zuerst seine drei Söhne: Constantin II., Constans und Constantius II. (bis 340), später Constans im Westen und Constantius II. im Osten. Im Jahre 350 ließ sich Magnentius, ein Offizier fränkischer Herkunft, zum Kaiser des Westens ausrufen und besiegte Constans, den er auf der Flucht in den Pyrenäen umbringen ließ. Obwohl er von Constantius II. 351 in der Schlacht von Mursa in Pannonien besiegt wurde, konnte er sich dennoch im Westen halten und regierte bis 353 als Usurpator. Er versuchte u. a. die Spannungen innerhalb der christlichen Kirche, wo die Christen der nicaeischen und der arianischen Richtung einander gegenüberstanden, für seine machtpolitischen Ziele zu nützen. Streitpunkt des Kirchenstreites war das Wesen Christi: Das Konzil von Nicaea formulierte das Glaubensbekenntnis nach der Lehre des Athanasius, daß Christus Gott gleich sei, während Arius lehrte, daß Christus von Gott geschaffen und von ihm verschieden sei. Obwohl Magnentius selbst Heide war, suchte er die nicaeischen Christen auf seine Seite zu bringen und sie zum Kampf gegen seinen Kontrahenten, den Arianer Constantius II. zu gewinnen. Aus diesem Grunde bediente er sich auch christlicher Symbole als Propagandamittel.

Diese Haltung kommt auch bei dem Fingerring zum Ausdruck. Seine Form entspricht dem Stil des 4. Jahrhunderts: Der gleichmäßig runde Reif ist auf der Außenseite in 14 leicht konkave Flächen facettiert, die Kanten sind durch Doppelstege betont. Auf die Facettenflächen verteilen sich die Buchstaben der Inschrift. Sie beginnt mit einem Christogramm X, darauf folgen: MAGNENTIO FIDEM -Treue dem Magnentius. Er bediente sich also derselben Mittel wie die Mitglieder des constantinischen Hauses, seine Anhänger an sich zu binden, und verlieh Auszeichnungen in Form von Goldringen, verbunden mit der Verpflichtung zur Treue. Bezeichnenderweise war Magnentius der erste, der auf der Rückseite seiner Münzen in voller Fläche das Christogramm als Bild verwendete, also auch die Münzen als Propagandaträger für seine Politik nützte. Allgemein ging man in dieser Zeit sehr ungezwungen mit den christlichen Symbolen um und kombinierte sie selbst mit der Anrufung heidnischer Götter. Dafür gibt es neben zahlreichen anderen Belegen auch einen bronzenen Fingerring, ähnlicher Form wie der Magnentiusring, auf dem ein Christogramm und die Inschrift MERCVRI, d.h. Gabe an Merkur, zu finden ist. Vielleicht wollte man sich in der Phase einer gewissen Unentschlossenheit nach allen Seiten göttlicher Hilfe versichern.

Obwohl der Fundort des neu erworbenen Fingerringes nicht bekannt ist, kennen wir Magnentius auch von einem bayerischen Fundort. Im Bereich der "Römerschanze" in Grünwald, einer spätrömischen Anlage zum Schutz des Isarüberganges, wurde 1979 eine Goldmünze (Solidus) gefunden, die ebenfalls mit Mitteln der "Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte" erworben werden konnte. Auf ihr ist das Porträt eben dieses Kaisers mit der Umschrift MAGNENTIUS PF AUG zu sehen. Die Rückseite zeigt die beiden göttlichen Personifikationen von Victoria und Libertas zu Seiten eines Tropaions, d.h. eines Siegeszeichens, errichtet aus erbeuteten Waffen und Rüstungsteilen. Die Umschrift VICTORIA AUG(usta) LIB(ertas) ROMANOR(um) besagt, daß der Sieg des Kaisers die Freiheit des römischen Volkes bedeutet. Die permanenten Kämpfe bedeuteten allerdings für die Bevölkerung große Unruhen und lösten vor allem nördlich der Alpen gewichtige Änderungen aus. Für seinen Feldzug nach Italien zog Magnentius Truppen vom Rhein ab, was die Alamannen und Franken veranlaßte, ins Elsaß, die Nordschweiz und das westliche Raetien einzufallen und große Verwüstungen anzurichten.
Gisela Zahlhaas


Solidus [!= Durch großzügige finanzielle Unterstützung der "Freunde der Bayerischen Vor- und Frühgeschichte e.V konnte dieser Solidus erworben werden.]


Ein seltenes Regenbogenschüsselchen aus Niederbayern

Kelt.Münze Dank der großzügigen Spende eines Mitgliedes des Freundeskreises, Frau B. Bareiß, konnte im April 1998 für die numismatische Abteilung eine seltene keltische Goldmünze erworben werden, die 1997 auf einem Acker bei Oberdietenau (Gde. Moosthenning, Lkr. Dingolfing-Landau) etwa fünf Kilometer nordwestlich von Dingolfing gefunden wurde. Es handelt sich um ein südbayerisches Regenbogenschüsselchen mit einem Gewicht 7,646 g, das zur Gruppe der sog. Rolltierstatere zu zählen ist (s. Nr. 1; Vergrößerung s. Nr. 2). Die Bezeichnung "Rolltier" bezieht sich auf die Bildvorderseite dieser Münze, auf der ein Fabelwesen mit kugelförmiger Schnauze, einer Art Widderhorn und eingerolltem Schlangenkörper zu sehen ist. Rolltierstatere gibt es mit drei unterschiedlichen Bildrückseiten, nämlich einem keltischen Halsreif (Torques) mit fünf Kugeln, mit sechs Kugeln oder mit drei leierähnlichen Ornamenten. Das Stück aus Oberdietenau gehört zur Variante mit drei Leiern, die in einem Kreis angeordneten sind. Relativ häufig belegt sind Rolltierstatere mit Torques und Kugeln auf der Rückseite, während solche mit dem Leiermotiv nach wie vor selten und in größerer Zahl bisher nur im Schatzfund von Irsching, Lkr. Pfaffenhofen aus dem Jahr 1858 (11 Exemplare) und im Fund von Saint-Louis bei Basel von 1880 (9 Exemplare) nachgewiesen sind. Aus dem Schatzfund von Saint-Louis liegt im übrigen sogar ein Stück vor, das mit dem gleichen Stempelpaar hergestellt wurde, wie das Exemplar von Oberdietenau. Bedeutsam an dem Stück von Oberdietenau ist jedoch nicht nur, daß Rolltierstatere mit Leiermotiv bisher eher selten waren, sondern daß sich auf der Vorderseite im sonst geprägelosen Zentrum der Münze unterhalb des Rolltierkopfes der Rest eines Bildes abzeichnet. Es handelt sich dabei sehr wahrscheinlich um die Reste eines relativ kleinen Leiermotives, von dem man noch Teile des Leierrahmens sieht. Diese Bildreste rühren wohl aus einem Stempel, mit dem man zuvor Statere mit Leiermotiv geprägt hatte. Eine Vermutung, die deshalb nicht ganz abwegig erscheint, weil es tatsächlich Regenbogenschüsselchen mit einem Blattkranz/Leiermotiv (s. Nr. 3) gibt und im Schatzfund von Irsching zudem beide Typen - Rolltierstater und Leierstatere - vertreten sind.

Metallurgische Untersuchungen im Rahmen eines in den Jahren 1993-1995 an der Prähistorischen Staatssammlung und der Technischen Universität München durchgeführten Forschungsprojektes der Volkswagenstiftung zum Prähistorischen Gold in Bayern, Böhmen und Mähren zeigten, daß es sich bei Münzen mit dem Rolltiermotiv regelmäßig um legierte Goldmünzen handelt, bei denen man etwa 20-25% Silber und 5% Kupfer zum Gold beigemischt hatte. Gleiches gilt auch für unser Regenbogenschüsselchen aus Oberdietenau.

Wo sich die Prägestätte für diesen Typ befand, ist noch nicht geklärt, seine Verbreitung von Niederbayern bis an den Rhein zeigt jedoch die möglichen Zirkulationsräume an, die für solche Münzen in Frage kommen, und man wird sogar so weit gehen dürfen zu behaupten, daß es sich bei den Regenbogenschüsselchen um eine Sorte von Münzen handelt, die im überregionalen Geldverkehr als gern gesehenes Zahlungsmittel akzeptiert wurden.
Bernward Ziegaus


Die Vorstandschaft wünscht allen Mitgliedern ein gutes Neues Jahr 1999 und überreicht beiliegenden Kalender.

Dr. W. Dieck      Prof. Dr. L. Wamser