Constantin d. Gr. führte in der Zeit der politischen Unruhen,
als er sich seiner Mitkämpfer besonders versichern mußte, die
Sitte ein, zur Belohnung goldene Fingerringe zu vergeben, deren Inschrift
den Träger zur Treue auf den Kaiser verpflichtete. Auch in Bayern, in
Augsburg, wurde ein solcher Fingerring gefunden. Von Constans, dem Sohn Constantins,
sind ebenfalls entsprechende Ringe belegt. Zum ersten Mal wurde nun ein Goldfingerring
mit einem weiteren Kaisernamen, dem des Magnentius, bekannt, und die Prähistorische
Staatssammlung konnte dieses einzigartige Schmuckstück und Würdezeichen
mit Mitteln der "Freunde der bayerischen Vor- und Frühgeschichte" erwerben.
Es ist derzeit in der Sonderausstellung "Rom und Byzanz - Archäologische
Kostbarkeiten aus Bayern" ausgestellt.
Der Kaiser, dessen Namen auf dem neuen Ring zu finden ist, war in die Machtkämpfe des 4. Jahrhunderts verwickelt. Nach dem Tode Constantins d. Gr. im Jahre 337 regierten zuerst seine drei Söhne: Constantin II., Constans und Constantius II. (bis 340), später Constans im Westen und Constantius II. im Osten. Im Jahre 350 ließ sich Magnentius, ein Offizier fränkischer Herkunft, zum Kaiser des Westens ausrufen und besiegte Constans, den er auf der Flucht in den Pyrenäen umbringen ließ. Obwohl er von Constantius II. 351 in der Schlacht von Mursa in Pannonien besiegt wurde, konnte er sich dennoch im Westen halten und regierte bis 353 als Usurpator. Er versuchte u. a. die Spannungen innerhalb der christlichen Kirche, wo die Christen der nicaeischen und der arianischen Richtung einander gegenüberstanden, für seine machtpolitischen Ziele zu nützen. Streitpunkt des Kirchenstreites war das Wesen Christi: Das Konzil von Nicaea formulierte das Glaubensbekenntnis nach der Lehre des Athanasius, daß Christus Gott gleich sei, während Arius lehrte, daß Christus von Gott geschaffen und von ihm verschieden sei. Obwohl Magnentius selbst Heide war, suchte er die nicaeischen Christen auf seine Seite zu bringen und sie zum Kampf gegen seinen Kontrahenten, den Arianer Constantius II. zu gewinnen. Aus diesem Grunde bediente er sich auch christlicher Symbole als Propagandamittel.
Diese Haltung kommt auch bei dem Fingerring zum Ausdruck. Seine Form entspricht dem Stil des 4. Jahrhunderts: Der gleichmäßig runde Reif ist auf der Außenseite in 14 leicht konkave Flächen facettiert, die Kanten sind durch Doppelstege betont. Auf die Facettenflächen verteilen sich die Buchstaben der Inschrift. Sie beginnt mit einem Christogramm X, darauf folgen: MAGNENTIO FIDEM -Treue dem Magnentius. Er bediente sich also derselben Mittel wie die Mitglieder des constantinischen Hauses, seine Anhänger an sich zu binden, und verlieh Auszeichnungen in Form von Goldringen, verbunden mit der Verpflichtung zur Treue. Bezeichnenderweise war Magnentius der erste, der auf der Rückseite seiner Münzen in voller Fläche das Christogramm als Bild verwendete, also auch die Münzen als Propagandaträger für seine Politik nützte. Allgemein ging man in dieser Zeit sehr ungezwungen mit den christlichen Symbolen um und kombinierte sie selbst mit der Anrufung heidnischer Götter. Dafür gibt es neben zahlreichen anderen Belegen auch einen bronzenen Fingerring, ähnlicher Form wie der Magnentiusring, auf dem ein Christogramm und die Inschrift MERCVRI, d.h. Gabe an Merkur, zu finden ist. Vielleicht wollte man sich in der Phase einer gewissen Unentschlossenheit nach allen Seiten göttlicher Hilfe versichern.
Obwohl der Fundort des neu erworbenen Fingerringes nicht bekannt ist,
kennen wir Magnentius auch von einem bayerischen Fundort. Im Bereich der
"Römerschanze" in Grünwald, einer spätrömischen Anlage
zum Schutz des Isarüberganges, wurde 1979 eine Goldmünze (Solidus)
gefunden, die ebenfalls mit Mitteln der "Freunde der bayerischen Vor- und
Frühgeschichte" erworben werden konnte. Auf ihr ist das Porträt
eben dieses Kaisers mit der Umschrift MAGNENTIUS PF AUG zu sehen. Die Rückseite
zeigt die beiden göttlichen Personifikationen von Victoria und Libertas
zu Seiten eines Tropaions, d.h. eines Siegeszeichens, errichtet aus erbeuteten
Waffen und Rüstungsteilen. Die Umschrift VICTORIA AUG(usta) LIB(ertas)
ROMANOR(um) besagt, daß der Sieg des Kaisers die Freiheit des römischen
Volkes bedeutet. Die permanenten Kämpfe bedeuteten allerdings für
die Bevölkerung große Unruhen und lösten vor allem nördlich
der Alpen gewichtige Änderungen aus. Für seinen Feldzug nach Italien
zog Magnentius Truppen vom Rhein ab, was die Alamannen und Franken veranlaßte,
ins Elsaß, die Nordschweiz und das westliche Raetien einzufallen und
große Verwüstungen anzurichten.
Gisela Zahlhaas
[!= Durch großzügige finanzielle Unterstützung der
"Freunde der Bayerischen Vor- und Frühgeschichte e.V konnte dieser Solidus
erworben werden.]
Metallurgische Untersuchungen im Rahmen eines in den Jahren 1993-1995 an der Prähistorischen Staatssammlung und der Technischen Universität München durchgeführten Forschungsprojektes der Volkswagenstiftung zum Prähistorischen Gold in Bayern, Böhmen und Mähren zeigten, daß es sich bei Münzen mit dem Rolltiermotiv regelmäßig um legierte Goldmünzen handelt, bei denen man etwa 20-25% Silber und 5% Kupfer zum Gold beigemischt hatte. Gleiches gilt auch für unser Regenbogenschüsselchen aus Oberdietenau.
Wo sich die Prägestätte für diesen Typ befand, ist noch
nicht geklärt, seine Verbreitung von Niederbayern bis an den Rhein
zeigt jedoch die möglichen Zirkulationsräume an, die für solche
Münzen in Frage kommen, und man wird sogar so weit gehen dürfen
zu behaupten, daß es sich bei den Regenbogenschüsselchen um eine
Sorte von Münzen handelt, die im überregionalen Geldverkehr als
gern gesehenes Zahlungsmittel akzeptiert wurden.
Bernward Ziegaus
Die Vorstandschaft wünscht allen Mitgliedern ein gutes Neues Jahr 1999 und überreicht beiliegenden Kalender.
Dr. W. Dieck Prof. Dr. L. Wamser