"KARFUNKELSTEIN UND SEIDE"

"Neue Schätze aus Bayerns Frühzeit"

29. Januar 2010 – 04. Juli 2010 

Archäologische „Jahrhundertfunde" werden in Ägypten, Griechenland, Kleinasien und manchmal auch direkt vor unserer Haustüre gemacht; in diesem Fall vor den Toren Münchens, in Unterhaching.

Erstmals sind Objekte in die Archäologische Staatssammlung gelangt, die in der Lage sind, der bereits 1881 entdeckten Bügelfibel von Wittislingen den Rang als „Superstar des frühen Mittelalters" abzulaufen. Die sensationellen Schmuckstücke stammen aus Gräbern, die in der Zeit um 500 angelegt worden waren, eine Epoche, in der sich der Stamm der Bajuwaren zu formieren beginnt. Nach Entdeckung des Gräberfelds im Jahre 2005 wurden die Fundobjekte unter der fachlichen Aufsicht des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege geborgen und mit der Archäologischen Staatssammlung in einem gemeinsamen Forschungsprojekt restauriert und wissenschaftlich ausgewertet.

Dabei nutzte man die modernsten naturwissenschaftlichen Untersuchungsmethoden, die heute zur Verfügung stehen. Die Ausstellung stellt erstmals die erzielten Ergebnisse dem Fachpublikum und der breiten Öffentlichkeit vor. Neben der Präsentation der Objekte, widmet sich die Ausstellung auch den neuesten Untersuchungsmethoden der Archäologie, die von der Anthropologie bis zu der gewaltigen PIXE (Proton-induced-X-ray–emission) – Anlage in den Kellern des Louvre reicht. Nicht zuletzt soll ein historisches Grundwissen über die Zeit des Frühen Mittelalters vermittelt werden. Die Funde von Unterhaching haben unsere wissenschaftliche Erkenntnis über diese Epoche auf eine neue Basis gestellt. Deutlich zeichnet sich jetzt das Tal des Hachinger Baches südlich von München als ein Machtzentrum ersten Ranges ab. Die Familie, die sich dort im 5. Jahrhundert ansiedelte, war offenbar in der Lage, sich mit Seide aus China, Edelsteinen aus Rajahstan (Indien) und Schmuckstücken, die in den exklusivsten Goldschmiedewerkstätten Italiens hergestellt worden waren, zu versorgen. Sie gehörte zu den „global players" ihrer Zeit und man darf ihr mit Sicherheit eine Rolle bei der Herausbildung des Stammes der Bajuwaren zuschreiben. Deutlich bekannte sie sich – vor dem Hl. Korbinian – bereits zum Christentum, denn es gelang, den „Unterhaching-Code" zu knacken und die kryptische christliche Bildsprache des Frühen Mittelalters zu entschlüsseln.

Die Ausstellung zeigt Leihgaben von internationalem Rang, darunter solche aus dem Germanischen Nationalmuseum Nürnberg, dem Louvre, dem Musée des Antiquités Nationales in Saint-Germain-en-Laye und den Capitolinischen Museen in Rom.

Das Begleitprogramm bietet Veranstaltungen für Schulklassen und Familien.